Ein Plädoyer für die Kunstpflanze

Ein Plädoyer für die Kunstpflanze

Es muss nicht immer echt sein. Was spricht für eine Kunstpflanze, dieser Frage gehe ich nach. Ich lade Sie ein – folgen Sie mir, bei meinem Plädoyer für künstliche Pflanzen.

 

Der Gärtner und seine Pflanzen – eine besondere Beziehung

Ich bin Gärtner geworden, weil mir der Umgang mit Pflanzen – ihr Gedeihen unter meinen Händen, der Umgang mit dem Lebendigen – stets Freude bereitetet hat und bereitet.

Als Innenraumbegrüner ist es mein Bestreben, andere Menschen an dieser Freude teilhaben zu lassen, indem ich das Zusammenleben mit Pflanzen ermögliche und stetig weiterentwickle. Immer wieder gibt es neue Züchtungen, robustere Pflanzen, Pflanzsysteme und Dienstleistungsangebote zur Pflanzenpflege, die das Leben mit Pflanzen vereinfachen.

Als Gärtner fühle ich mich aber auch verantwortlich für „meine“ Pflanzen: jede Pflanze im Gefäß ist wie ein Kind, das von seinen Eltern abhängig ist. Sie kann sich nicht wie in der Natur selbst versorgen und ist darauf angewiesen, dass für genügend Licht, Wasser, Nährstoffe und das richtige Klima gesorgt wird.

Können wir dieses Versprechen nicht halten und möchten uns dennoch an schönem Grün, lebendigen Formen und exotischem Flair erfreuen, gibt es eine Lösung: „die künstliche Pflanze“.

 

Ein Plädoyer für die Kunstpflanze   Ein Plädoyer für die Kunstpflanze

Vom Schein und Sein – so funktioniert die Kunstpflanze:

Inzwischen werden die Kunstpflanzen so naturgetreu hergestellt, dass auch ich zweimal hinschauen muss, um sie als solche zu erkennen. Selbst kleine Blattblessuren, Verfärbungen oder Farbveränderungen werden nachgebildet. Das „Aufbiegen“ (was nichts anderes bedeutet, als das mit botanischem Wissen und floristischem Geschick die Blätter und Zweige in eine natürliche Stellung gebracht werden) macht die Illusion vollkommen. Fällt nun der Blick auf eine Kunstpflanze, lösen die natürlichen Formen, das Grün in seinen verschiedenen Changierungen ein positives Gefühl in uns aus. Das funktioniert bei Kunstpflanzen genauso wie bei lebendigen Pflanzen, was unbewusst auch bei peripherer Wahrnehmung erfolgt. Erst bei genauerem Hinsehen wird dann die Kunstpflanze enttarnt, und ich höre dann manchmal leider enttäuschte Worte wie „Fake“ und Betrug. Niemand würde sich so abwertend zu einer z.B.  fotorealistischen Malerei äußern. Am Ende sollte die Qualität der Arbeit entscheiden und nicht, ob es echt oder künstlich ist!

Ein Plädoyer für die Kunstpflanze

Gründe, die für eine Kunstpflanze sprechen:

Eine Standortanalyse schließt lebendige Pflanzen aus; es ist zum Beispiel zu dunkel, zu kalt und kein Platz für Pflanzgefäße vorhanden.

Das gewünschte Begrünungsziel ist mit lebendigen Pflanzen nicht umsetzbar; zum Beispiel Kakteen und Wasserpflanzen zusammen in einem Gefäß oder dauerhaft tropische Blütenvielfalt.

Ein Blick auf die Kosten:

Die Investitionen in Kunstpflanzen bleiben erhalten, lebendige Pflanzen können eingehen und verursachen Folgekosten durch Pflegeaufwand.

Der Nachhaltigkeitsgedanke:

Eine Kunstpflanze „grünt und blüht“ viel länger als eine lebendige Pflanze, die für einen erneuten Erwerb immer wieder in aufwendig beheizten Gewächshäusern nachgezogen werden muss.

Neben den pragmatischen Gründen sollte ein ethischer Ansatz, der in einer grundsätzlichen Lebenseinstellung zur Würde der Pflanze als lebendigem Wesen zum Ausdruck kommt, nicht ganz vergessen werden.

Ein Plädoyer für die Kunstpflanze

Mein Wunsch für die Zukunft:

Ich wünsche mir mehr Akzeptanz für Kunstpflanzen. Eine gut gestaltete Begrünung mit Kunstpflanzen sollte eine geschätzte Erweiterung des gärtnerischen Repertoires sein. Denken Sie an das Versprechen, das Sie einer lebendigen Pflanze beim Kauf in Hinblick auf Pflege, Hinwendung und Beachtung geben müssen. Können Sie es einlösen? Oder sind alle Beteiligten mit einer Kunstpflanze glücklicher?

Am Ende wünsche ich mir, dass Sie sich- so wie ich – über eine gelungene und nachhaltige Begrünung freuen können.

Bis bald,

Johannes Meyer-Dohm