4 Profi-Tipps: Pflanzenpflege im Winter

Mit dem 1. Advent beginnt die besinnliche Weihnachtszeit, begleitet von kühlem Regen und stürmischem Wind, was uns daran erinnert, dass der Winter in Bälde über das Land ziehen wird. In nasskalten Stunden träume ich vom letzten Urlaub auf Teneriffa, der Insel des ewigen Frühlings, und würde am liebsten in das nächste Flugzeug klettern, das mich dorthin bringt – wem geht es nicht so? Ersatzweise freue ich mich über kleine Pflanzen, die ich von der Insel mitgebracht habe und die sich im Sommer gut entwickelt haben. Ein grüner Trost in der grauen Jahreszeit.

Nun habe ich das Glück, beruflich jeden Tag mit Pflanzen umzugehen. Ein Besuch in den Gewächshäusern befreundeter Betriebe empfinde ich in dieser Zeit als sehr wohltuend. Daher mein Tipp: Verbringen Sie doch einmal einen verregneten, trüben Sonntagnachmittag in den Gewächshäusern eines botanischen Gartens.

Zu Hause herrschen allerdings andere Bedingungen für Pflanzen, die es zu berücksichtigen gilt, will man mit ihnen Räume gestalten und sich an ihrem Wachstum und Gedeihen erfreuen. Glücklicherweise steht hierfür heute eine große Pflanzenauswahl zur Verfügung, die hauptsächlich aus den Tropen stammt und damit nicht den Wechsel von Jahreszeiten unterliegt.

Inzwischen gibt es eine Vielzahl von Pflanzsystemen, welche die Pflege sehr vereinfachen. Überlaufende Untersetzer und verschimmeltes Parkett gehören der Vergangenheit an. Egal, für welches System Sie sich entscheiden (zum Beispiel Hydro oder Semi-Hydro) – die folgenden Tipps sollten Sie bei der Pflege und Auswahl Ihrer Pflanzen im Winter beachten.

1. Auswahl der Pflanze:

Auch das schönste Gewächs kümmert, wenn es am falschen Standort steht. Beobachten Sie die Lichtbedingungen in Ihren Räumen ganz genau und lassen Sie sich fachlich beraten. Müssen Sie zum Beispiel Rücksicht nehmen auf pralle Mittagssonne, wie groß ist der Abstand zum Fenster? Steht vielleicht ein Baum davor, der jetzt im Winter kahl ist, im Sommer jedoch für vollen Schatten sorgt? Muss die Pflanze ein gewisses Maß an Zugluft vertragen, beispielsweise im Eingangsbereich, und hat sie Platz sich zu entwickeln?

2. Pflege der Pflanze:

Die Wachstumsfaktoren Licht und Wärme verändern sich. Die Tage werden kürzer und damit auch der Zeitraum, in dem die Pflanze am meisten Wasser verbraucht. Es gilt hier der Grundsatz: weniger Licht erfordert weniger Wasser. Das trifft auch auf die Düngergaben zu, die zeitweise verringert oder ganz eingestellt werden sollten. Trockene Luft und Fußbodenheizung ist bei entsprechender Pflanzenauswahl übrigens weniger problematisch als allgemein angenommen. Bei sehr trockener Luft ist ein Luftbefeuchter angenehm, auch für uns Menschen.

3. Qualität der Pflanzen:

Neben der Produktion schnellwachsender Pflanzen, mit denen durch raffinierte Kulturmethoden viel Masse mit wenig Substanz erzeugt wird, gibt es immer noch Gärtnereien, die hochwertige Pflanzen heranziehen. Wir müssen nur bereit sein, sie auch zu bezahlen. Geben Sie lieber etwas mehr Geld aus, als später den Verlust einer vermeintlich günstigen Pflanze zu beklagen. Einen guten Händler erkennen Sie auch daran, dass im Winter keine Pflanze ohne Verpackung (Kälteschutz) seinen Laden verlässt.

4. Gießen der Pflanzen:

Bedenken Sie, dass der Beginn der Heizperiode irritierend für die Pflanze ist, da Temperatur und Lichtangebot plötzlich nicht mehr zusammenpassen. Ein paar gelbe Blätter am Ficus sind daher im Winter normal und auf keinen Fall Anlass zum vermehrten Gießen.

Pflegefehler wie ein Überwässern, das im Sommer eventuell schadlos überstanden wurde, kann in dieser Zeit schwere Schäden verursachen. Also: mit Bedacht zur Gießkanne greifen.

Ich wünsche Ihnen viel Freude mit Ihren Pflanzen!

Johannes Meyer-Dohm