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P2 Blog

10 Varianten einer Bürobegrünung

11.Jan.2022 | P2 Blog, Pflanzen im Büro

Inspirationsquelle und Baukasten für immer wieder neue Kombinationen

Die Erscheinungsformen einer Bürobegrünung reichen von der bescheidenen Töpfchenansammlung bis zum grünen Sehnsuchtsort. Was eine Begrünung leisten kann, habe ich in meinen vorherigen Artikeln z.B. in „WARUM WIR EINE BÜROBEGRÜNUNG BRAUCHEN“, beschrieben. Jetzt geht es um die Konzeption einer Bürobegrünung.

Vor der Konzeption steht die Analyse. Jedes Büro ist anders. Die Architektur, die funktionellen Ansprüche und Arbeitsweisen sind verschieden und nicht zuletzt bestimmen Wachstumsfaktoren wie z.B. Licht die gärtnerischen Möglichkeiten. Alle diese Faktoren – nicht zu vergessen das Budget – müssen berücksichtigt werden.

Sorgfältige Planung und durchdachte Gestaltungskonzepte sind Grundsteine für eine gelungene Bürobegrünung. Gutes Design verbindet am Ende Form und Funktion.

Bevor Gefäßfarben diskutiert und Lieblingspflanzen besprochen werden, sollte eine übergeordnete Idee oder ein Konzept für die Begrünung gefunden werden. Meine 10 Typen können dabei als Inspirationsquelle und Baukasten für immer wieder neue Kombinationen dienen. 

Typ 1: Von der Spontanvegetation bis zur „Grünen Woge“

Meist bleibt ein Büro nicht lange kahl. Pflanzen finden ihren Weg in das Büro und, wie die Spontanvegetation am Rand eines Gehweges, stellen sich schnell kleine, mehr oder weniger gut gepflegte Pflanzen ein. Häufig rotten sie sich dort zusammen, wo es jemanden gibt, der sie gelegentlich gießt.

Die Gestaltungsidee der „Grünen Woge“ nimmt dieses Bild auf und lässt Pflanzen durch das Büro „treiben“. Die Standorte sind nicht serienhaft, sondern scheinen einer natürlichen, eigenen Dynamik zu folgen. Meist handelt es sich um kleinere bis mittlere, dafür viele und unterschiedliche Pflanzen. Ziel ist es, eine nicht dominante, jedoch durchgehende Präsenz von Grün zu schaffen, die jeden auf dem Weg durch das Büro angenehm „beiläufig“ begleitet. 

Spontanvegetation im Büro

Typ 2: Verdichtung und Clusterbildung 

Schieben Sie Ihre Pflanzen aus den Zimmerecken zu einem sogenannten Cluster zusammen. Als Gruppe aufgestellt entfalten die Pflanzen eine besondere, natürliche Wirkung. Sie haben so einen effektiveren Einfluss auf unser Wohlbefinden, als wenn sie vereinzelt in der Ecke stehen würden. 

Die Positionierung sollte so gewählt werden, dass alle Mitarbeitenden regelmäßig, z.B. auf dem Weg in die Teeküche, an diesen grünen Inseln vorbeikommen. Eine kurze „Konfrontation“ mit üppigem Grün hat einen positiven Effekt auf uns und wirkt am Arbeitsplatz weiter, auch wenn das Grün nicht mehr in Sichtweite ist.

Verdichten heißt auch, dass es Bereiche mit wenig oder keinem Grün gibt. So wird die Wahrnehmung der Cluster verstärkt. Wichtig sind unterschiedliche Pflanzen, wenn möglich auch hohe Pflanzen mit Fernwirkung. 

Büropflanzen Clusterbildung, Verdichtung

Typ 3: Das Korallenriff 

Diese Gestaltungsidee lässt die Herzen der Deko-Fans höherschlagen. Häufig bildet die Grundstruktur ein Regal, auf dem sich, wie bei einem Riff die Korallen, dekorative Pflanzen mit Gefäßen und urbanem Nippes ansiedeln. Dazu gesellen sich Gefäße auf Beinen, die „Plant Stands“ oder Etageren im Retro-Stil und Pflanzenampeln aus z.B. Makramee.

Inspirationen finden sich zahlreich auf Instagram und Co.. Ziel dieser Begrünung sind liebevoll gestaltete Bereiche zum Wohlfühlen wie zuhause. Zum Einsatz kommen sogenannte Trendpflanzen wie Calathea, Alocasia und Sukkulenten. Dabei wird häufig ein Kompromiss zwischen Haltbarkeit und Dekorationsaspekt gemacht. 

Typ 4: Struktur und Ordnung 

Für diesen Begrünungstyp ist es wichtig ein klar definiertes und begrenztes Sortiment an Pflanzen und Gefäßen festzulegen. Hilfreich ist eine Kategorisierung der Standorte. So kann z.B. Fluren, Besprechungsräumen, Arbeitsflächen usw. eine einheitlich wiederkehrende Pflanze zugeordnet werden.

Durch die Wiederholung entsteht Ordnung und Ruhe, durch die Zuordnung ergibt sich eine erkennbare Struktur. Diese Begrünung vermittelt dem Betrachter den Eindruck von konzipierter Ordnung und Übersichtlichkeit. Diese klar gegliederte Begrünung mit Symmetrien und Wiederholungen grenzt sich deutlich von anderen Begrünungstypen wie z.B. „Grüne Woge“ oder „Korallenriff“ ab. 

Die Schönheit von „Struktur und Ordnung“ setzt für ihre Entfaltung ein gewisses Maß an Perfektionswillen und Disziplin voraus. (siehe hierzu den Beitrag „DIE SCHÖNHEIT DER WIEDERHOLUNG“).

Pflanzen in Struktur und mit Ordnung

Typ 5: Grüne Regenerationsräume

Ein Aufenthalt im Grünen ist Erholung pur. Körper, Geist und Seele können entspannen und sich regenerieren. Grüne Regenerationsräume nutzen diesen Effekt und machen ihn im Büro verfügbar. Dem Ruheraum wird dafür ein biophiles Design verpasst (siehe hierzu Beitrag: „BIOPHILIC DESIGN – DER WUNSCH NACH NATUR“). 

Allein die Farbe Grün, z.B. auch als Teppich, sorgt für Entspannung. Verbunden mit natürlichen Materialien wie Holz und selbstverständlich vielen Pflanzen, entsteht ein heilsamer, kräftigender Ort. Ein Aufenthalt im „Green Room“, „Serenity- oder Awareness-Room“ oder einfach „Gartenzimmer“, stärkt unsere Leistungsfähigkeit und ermöglicht es uns schnell zu regenerieren. Er ist die Optimierung einer ruhig verbrachten Mittagspause auf der Parkbank unter der Trauerweide am Ententeich. 

Bei der Gestaltung eines solchen Raumes ist die Berücksichtigung aller die Sinne ansprechenden Faktoren wie Farbe, Licht, Akustik, Haptik usw. besonders wichtig. Für die Pflanzen gilt: Je mehr desto besser. 

Typ 6: Alte Schule, die Kraft des Gewohnten 

Auch wenn innovative Bürobegrünungen wie z.B. grüne Wände viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen, gibt es sie noch, die alte Schule: Einzelgefäße, bunt gewürfelt, ohne erkennbares übergeordnetes Konzept aufgestellt, da wo es passt. Häufig sind über viele Jahre Beziehungen zwischen Menschen und Pflanzen gewachsen, die nicht leichtfertig einer Modernisierung zum Opfer fallen sollten. 

Die Alte Schule steht für den Begrünungstyp, der behutsam an Bestehendes anknüpft, dabei Sehgewohnheiten respektiert und vorsichtig versucht, konzeptionelle Ansätze wie z.B. einheitliche Gefäße einzuführen. Für viele Menschen kann gerade das Gewohnte wohltuend sein. Diese Erkenntnis bestimmt den Umgang mit der Begrünung. Eine Begrünung nach Art der „Alten Schule“ hat nach wie vor ihre Berechtigung. Es ist zu hinterfragen, ob es für das Wohlbefinden von Adam und Eva immer vorteilhaft ist, wenn wir ihnen sagen, dass sie nackt sind und zwingend moderne Kleider brauchen. 

Das bedeutet für die Pflanzenauswahl: Individuelle Wünsche für bestimmte Standorte sind hier wichtiger als ein übergeordnetes Konzept oder eine innovative Design-Idee (siehe hierzu auch den Beitrag: „DER GRÜNE ARBEITSPLATZ“ UND „DER TROST DER DINGE“).

Typ 7: Themenwelten, Inszenierung und Kulissen 

Besprechungsräume mit Namen von Stadtbezirken, Persönlichkeiten oder Comicfiguren gibt es schon sehr lange. Häufig wurden diese Räume auch entsprechend dekoriert. Der Wunsch nach Wiedererkennbarkeit, Identität und Individualität ist weiter gewachsen. Moderne Unternehmen schaffen keine Büroräume, sondern unterschiedliche Arbeitswelten. Das agile Arbeiten ermöglicht heute das freie Bewegen in diesen Welten. Je nach Stimmung und Anforderung besteht die Wahl, im „Green Garden“, auf der „Piazza“, im „Bistro“ oder „Forest“ zu arbeiten. Der Wechsel zwischen den Welten ist anregend, fördert die Produktivität und lockt die Menschen aus dem Homeoffice zurück in das Büro. Mit Pflanzen unterschiedliche Welten zu gestalten, ist eine Herausforderung und meist nur mit Unterstützung von Kunstpflanzen möglich. Das gilt besonders für Themen wie „Gras Düne“, „Wüste“, „Unter Wasser“ usw. Die Pflanzenauswahl für das Büro ist begrenzt. Um Themen erkennbar zu machen, werden thematische Gefäße wie z.B. Fässer, Transportboxen, aber auch Dekorationen mit Baumstämmen, Moos oder Fototapeten wichtig. Am Ende soll die gesamte Einrichtung eine Geschichte erzählen. „Storytelling“ nennt man das heute. Für ein Gelingen ist mehr als sonst eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit nötig (siehe hierzu auch den Beitrag: „MODERNE ARBEITSWELTEN BRAUCHEN PFLANZEN“).

Typ 8: Grüne Möbel, Möbel mit integrierter Begrünung 

Immer wieder entdecken Hersteller von Büroausstattungen das Thema Pflanzen und entwerfen Möbel mit Pflanzeinsätzen. Dazu gibt es eine Hochglanzbroschüre über die erstaunlich positive Wirkung von Pflanzen auf die Qualität des Arbeitsplatzes. Die Übermittlung der Information, dass Pflanzen Ansprüche an ihren Standort stellen und nicht wie Möbel überall aufgestellt werden können, wird den Gärtner*Innen überlassen.

Durch die Integration von Möbeln ist eine üppige Begrünung auch da möglich, wo es wenig Stellfläche gibt. Der Klassiker ist der Pflanzaufsatz für das Sideboard. Es ist aber auch möglich, individuell entworfene Podestanlagen mit Pflanzeinsätzen zu versehen.

Integrierte Begrünungen eröffnen viele gestalterische Möglichkeiten, sind platzsparend und „modern“. Bei individueller Planung ist es wichtig, die Größe der Einsätze und speziell die nötige Innenhöhe (Pflanztiefe) zu beachten. Die Einplanung von Pflanzeinsätzen aus dem Standartsortiment kann sehr teure Sonderanfertigungen vermeiden. 

Sitzbank mit integrierten Pflanzeinsätzen

Typ 9: Selbstwirksamkeit, Bürobegrünung 2.0

Das, was eine Pflanze von allen anderen Einrichtungsgegenständen, Dekorationen usw. unterscheidet, ist ihre Lebendigkeit. Sie reagiert auf ihre Umwelt und verändert sich, sie wächst, gedeiht und kann sterben. Die Beschäftigung mit Pflanzen, ihre Pflege und die Verantwortungsübernahme ermöglicht viele Wege der Selbsterfahrung. Diese einzigartige Dimension bleibt bei einer Bürobegrünung bisher meist ungenutzt (siehe hierzu auch den Beitrag: „BEZIEHUNG PFLANZE – MENSCH, EIN ZERBROCHENER SPIEGEL?“).

Pflanzen benötigen eine kontinuierliche Aufmerksamkeit. Das lässt sich im Arbeitsalltag nicht immer umsetzen. Pflanzen brauchen auch Wasser, wenn alle im Homeoffice sind. Der Begrünungstyp „Selbsterfahrung“ koordiniert die Ansprüche der Pflanze mit den Arbeitsabläufen und ermöglicht es den Mitarbeitenden, sich selbst erfolgreich um ihre Pflanzen zu kümmern. Wie kann das funktionieren? Der Schweizer Architekt für Gebäudebegrünung Gerhard Zemp schlägt einen Pflanzenkiosk vor. Ich stelle mir das so vor, dass an einem zentralen Punkt mit hervorragenden Wachstumsbedingungen und unter gärtnerischer Pflege verschiedene Pflanzen bereitstehen. Wer möchte, nimmt sich eine Pflanze mit an den Arbeitsplatz und ist dann für sie verantwortlich. Bei Zeitmangel oder Überforderung kann die Pflanze einfach zurückgebracht werden. Das geht auch vorübergehend für z.B. eine Dienstreise, Urlaub usw. 

Eine weitere Idee ist es, durch individuelle Namensgebung z.B. „Fred Ficus “ und „Margot Marantha“ den Aufbau einer emotionalen Beziehung zwischen Menschen und Pflanzen zu vereinfachen. Aber auch die Beschäftigung mit der Pflanze, Herkunft, Ansprüche usw., abrufbar z.B. über eine App, sind dabei hilfreich. 

Der Begrünungstyp „Selbsterfahrung“ verschafft den Mitarbeitenden im besten Fall eine positive Selbstwirksamkeitserfahrung. Aber auch das schmerzhafte Erkennen, dass es keinen Erfolg ohne Scheitern gibt, keinen Gewinner ohne Verlierer, gehört dazu (siehe hierzu auch: „WARUM WIR EINE BÜROBEGRÜNUNG BRAUCHEN“).

Die Beschäftigung mit Pflanzen

Typ 10: „Greenfilter“ und andere funktionelle Begrünungen. 

Den Begriff „Greenfilter“ habe ich in einer Planung von Ippolito Fleitz entdeckt. Gemeint ist ein luftiger, leicht transparenter Raumteiler aus Pflanzen, kein „Luftfilter“. Separieren, Trennen und Strukturieren – das geht hervorragend mit Raumteilern. Eine begrünte Trennwand kann diese Funktion übernehmen und gleichzeitig für ein lebendiges und wohltuendes Büro sorgen. 

Damit ist auch schon die wichtigste Funktion der Büropflanzen beschrieben, nämlich eine raumbildende und eine psychologische. Funktionen wie Luftverbesserung und Schallschutz werden meist nur durch technische Unterstützung erreicht und sind in der Regel hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit kritisch zu hinterfragen. 

Wer Pflanzen effektiv einsetzen und nutzen will, setzt auf die allgemein positive Wirkung von Pflanzen auf uns Menschen. Dieser Effekt ist mittlerweile gut erforscht und nicht zu unterschätzen (die wider Erwarten geringe Luftverbesserungsrate und Schallschutzwirkung von Pflanzen wird so zum Teil kompensiert). 

Bei einer funktionellen Begrünung im Sinne des Typen „Greeenfiter“ ist die Pflanze fester Bestandteil des Arbeitsplatzes. So kann der Blick zur Entspannung von der Monitorarbeit immer wieder kurz auf Grün verweilen. Grüne Elemente, z.B. auch Moosbilder, Vertikalbegrünungen, durchziehen das Büro und sind so aufgestellt oder angebracht, dass sie immer wieder im Blickfeld erscheinen. Bei diesem Gestaltungstyp erhält die Pflanze die Bedeutung einer guten Arbeitslampe oder eines ergonomischen Stuhles. Sie unterstützt das Wohlbefinden und ist in der Regel dabei Teil eines Gesamtkonzeptes, z.B. eines biophilen Designs (siehe hierzu auch: „BIOPHILIC DESIGN – DER WUNSCH NACH NATUR“).

Das waren meine 10 Typen der Bürobegrünung. Wie sieht Ihre Bürobegrünung aus? Können Sie Teile davon wiederentdecken, vielleicht auch, wenn diese nie so konzipiert waren? Ein nachträgliches Aufladen mit Inhalt und Bedeutung schadet nicht!

In diesem Sinne bis bald, Ihr

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